Im Sommer 1960 stand in den Sportteilen ein Name über allen anderen, Armin Hary. Im Juni war er in Zürich als erster Mensch die 100 Meter in glatten 10,0 Sekunden gelaufen. Die Zeitungen nannten ihn den schnellsten Mann der Welt, und sie schrieben es mit einer Mischung aus Stolz und Misstrauen, die mich beim Lesen sofort gepackt hat.
Denn Hary passte in keine Schublade. Ein Junge aus einer Bergmannsfamilie im Saarland, eigensinnig, verschlossen, mit einem Start, der so explosiv war, dass Kampfrichter ihm mehr als einmal einen Fehlstart unterstellten. Er hat sich mit Funktionären angelegt, mit Trainern, mit der Presse. Vielleicht musste er das. Wer aus dem Staub der Gruben kommt, dem schenkt niemand etwas.
Schon bei seinem Geburtsort gehen die Angaben bis heute auseinander. Viele Darstellungen nennen Quierschied, wo er später im Verein lief. Die Hall of Fame des deutschen Sports nennt Gersweiler bei Saarbrücken. Genau solche Risse haben mich interessiert, und einer davon ist im Roman zu einer Szene geworden.
In Rom gewann er dann beide Rennen, die zählten. Die 100 Meter in 10,2 Sekunden, olympischer Rekord, und mit der Staffel noch ein zweites Gold. Für ein paar Tage schaute die ganze Welt auf diesen jungen Deutschen, der schneller loslief, als die Messtechnik seiner Zeit begreifen konnte.
Für den Roman war Hary ein Geschenk. Gustavo, mein Reporter, braucht Figuren, an denen sich die Zeit zeigt, und Hary ist so eine Figur. Das Wirtschaftswunderkind mit Trotz im Blick, bewundert und beargwöhnt zugleich.